Der Roundtable mit dem Titel „Fueling the Future – Grüner Wasserstoff für Schifffahrts- und Luftfahrtkraftstoffe“ fand am Donnerstag, den 14. Mai 2026, im Rahmen der Egyptian German Green Hydrogen Partnership (GH2P) statt. Er wurde von der GIZ umgesetzt und von der Deutsch-Arabischen Industrie- und Handelskammer (AHK Egypt) unterstützt.
Der Roundtable, beleuchtete die Rolle von Wasserstoff und dessen Folgeprodukten bei der Dekarbonisierung der Schifffahrts- und Luftfahrtbranche.
Zu den Teilnehmenden gehörten hochrangige Regierungsvertreterinnen und -vertreter sowie europäische und ägyptische Unternehmen aus der Schifffahrts- und Luftfahrtbranche, Hafenbehörden und -betreiber, Vertreter von Industriegebieten und Projektentwickler. Gemeinsam diskutierten sie Infrastrukturbedarfe, regulatorische Rahmenbedingungen und Investitionswege zur Förderung nachhaltiger Kraftstoffe im Transportsektor.
Im Rahmen seiner Teilnahme an dem hochrangig besetzten Roundtable betonte S.E. Dr. Sameh El-Hefny, Minister für Zivilluftfahrt, das Engagement Ägyptens zur Unterstützung globaler Bemühungen zur Reduzierung von CO₂-Emissionen. Er erläuterte die nationale Strategie, die auf eine schrittweise Verringerung des CO₂-Fußabdrucks des Luftfahrtsektors durch den verstärkten Einsatz nachhaltiger Flugkraftstoffe abzielt. Seine Exzellenz wies darauf hin, dass der Sektor bereits fortgeschrittene Umsetzungsmaßnahmen eingeleitet habe, darunter den Ausbau der Nutzung von Solarenergie an verschiedenen ägyptischen Flughäfen. Darüber hinaus erklärte er, dass Ägypten über starke Kapazitäten und eine hervorragende geografische Lage verfüge, um sich zu einem regionalen Produktionszentrum für saubere Kraftstoffe zu entwickeln.
S.E. Herr Waleid Gamal El-Dien, Vorsitzender der SCZONE, hob die gravierenden Auswirkungen der aktuellen globalen geopolitischen Herausforderungen auf die Energieversorgungsketten hervor. Er betonte, dass der Übergang zu grünen Kraftstoffen längst kein Luxus mehr, sondern eine absolute Notwendigkeit sei. Zudem erklärte er, dass Finanzakteure und Produzenten grüner Kraftstoffe ihre Risikobewertungen neu überdenken müssten, da die Risiken einer weiteren Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen heute deutlich höher seien. Weiterhin erläuterte er, dass die Suez Canal Economic Zone (SCZONE) erfolgreich die erste Anlage für grüne Kraftstoffe sowie die erste Produktionsstätte für nachhaltige Flugkraftstoffe im Nahen Osten angezogen habe. Die erste Lieferung von synthetischem nachhaltigem Flugkraftstoff an den Luftfahrtsektor werde voraussichtlich im Juli 2027 erfolgen.
Brigadegeneral Ing. Ahmed Osman, stellvertretender Vorsitzender für Planung und Investitionen der Damietta Port Authority, sprach über die laufende Entwicklung ägyptischer Häfen zu sogenannten „grünen Häfen“, die mit erneuerbarer Energie betrieben werden. Er stellte das Damietta Green Ammonia Project vor, das sich über rund 70.000 Quadratmeter erstreckt. Dieses strategische Projekt zielt auf die Produktion von grünem Ammoniak für den Export ab und basiert vollständig auf erneuerbaren Energiequellen. Er erklärte, dass diese Initiative mit den Umweltstandards der Europäischen Union im Einklang stehe und erheblich zur Reduzierung des globalen CO₂-Fußabdrucks beitrage.
Während des Roundtables betonte Dr. Miguel Haubrich Seco, Leiter der Wirtschaftsabteilung der Deutschen Botschaft in Kairo, dass Wasserstoff für Deutschland eine langfristige strategische Priorität zur Erreichung der Klimaneutralität bis 2045 darstelle. Er kündigte eine finanzielle Unterstützung in Höhe von rund 4 Millionen Euro im Rahmen der H2Global-Initiative an, um die durch die hohen Produktionskosten von grünem Wasserstoff entstehende Lücke zu schließen.
Darüber hinaus teilten Vertreter des Privatsektors, darunter Herr Alexander Tolweth, General Manager Egypt & North Africa der Lufthansa Group, sowie Herr Juerg Meier, CEO von Kuehne+Nagel, ihre Perspektiven. Sie erklärten, dass große Schifffahrts- und Luftfahrtunternehmen alternative Kraftstoffe derzeit intensiv prüfen. Zu diesen Optionen gehörten unter anderem Power-to-Liquid-Technologien, Ammoniak und Methanol. Gleichzeitig waren sie sich einig, dass die Kosten weiterhin ein entscheidender Faktor für die breite Einführung dieser alternativen Lösungen seien.
Die Roundtable-Diskussion endete mit der Identifizierung der zentralen Herausforderungen, denen sich die Schifffahrts- und Luftfahrtbranche bei der Dekarbonisierung ihrer Kraftstoffe gegenübersehen, sowie der notwendigen nächsten Schritte. Die Teilnehmenden waren sich einig, dass hohe Produktionskosten und eine noch unzureichend entwickelte Infrastruktur wesentliche Hürden darstellen. Sie forderten klare politische Rahmenbedingungen und Anreizsysteme, um eine solide Grundlage für Investitionen zu schaffen. Abschließend betonten die Teilnehmenden die dringende Notwendigkeit, von öffentlichen Diskussionen zu konkreten Umsetzungsmaßnahmen überzugehen.