Am Dienstag, den 5. Mai, organisierte die Deutsch-Arabische Industrie- und Handelskammer (AHK Ägypten) eine exklusive Großkonferenz unter dem Titel „Egypt – The Gateway to Global Trade | Connecting Continents Through Innovation“ im Triumph Luxury Hotel in Kairo. Hochrangige Minister der ägyptischen Regierung nahmen an der Veranstaltung teil. Darüber hinaus beteiligten sich internationale Finanzinstitutionen sowie zahlreiche Vertreter des Privatsektors, um Strategien zur Transformation Ägyptens in ein globales Handels- und Logistikzentrum zu diskutieren.
Frau Maren Diale-Schellschmidt, CEO der AHK Ägypten, eröffnete die Veranstaltung und hob die Widerstandsfähigkeit des ägyptischen Logistiksektors hervor. Sie verwies auf den Aufstieg Ägyptens um zehn Plätze im Logistics Performance Index (LPI) der Weltbank auf Rang 57 weltweit im Jahr 2023. Zudem erklärte sie, dass das bilaterale Handelsvolumen zwischen Ägypten und Deutschland in den ersten Monaten des Jahres 2026 im Vergleich zum Vorjahr um 4,6 % gestiegen sei.
In seiner Begrüßungsrede betonte Eng. Ahmed Elsewedy, Präsident der AHK Ägypten, dass umfangreiche Investitionen in Straßen, Häfen und Eisenbahnen die Wettbewerbsfähigkeit Ägyptens gestärkt hätten. Gleichzeitig unterstrich er das Engagement der Kammer für die berufliche Bildung, um qualifizierte Fachkräfte bereitzustellen, die mit der kontinuierlichen Entwicklung Schritt halten können.
Während seiner Rede stellte S.E. Ahmed Kouchouk, Finanzminister, eine Reihe strategischer gesetzlicher und steuerlicher Reformen vor, die darauf abzielen, Ägypten zu einem zentralen regionalen Drehkreuz für Handel, Lagerung und Transit zu machen. Kouchouk erklärte, dass der Erfolg des Logistiksektors in erster Linie auf einem klaren und verlässlichen gesetzlichen Rahmen für Investoren beruhe. Er verwies auf rund 30 bis 40 kürzlich eingeführte Zoll- und Steuermaßnahmen, die bereits umgesetzt wurden. Diese Maßnahmen ermöglichen unter anderem die Einrichtung spezieller Lager für Reexport und Transit ohne zusätzliche Gebühren. Darüber hinaus ist der innerägyptische Transport von Waren zwischen Häfen von der Mehrwertsteuer sowie indirekten Steuern befreit, wodurch ein schneller Warenfluss gewährleistet wird.
Kouchouk untermauerte seine Aussagen mit statistischen Daten, die die konkreten Auswirkungen dieser Maßnahmen widerspiegeln. So führte beispielsweise die Befreiung von Transitsendungen von der Pflicht zur Advance Cargo Information (ACI) zu einem deutlichen Anstieg des Transitverkehrs um 50 % im ersten Quartal dieses Jahres. Zudem hob er Fortschritte in den Bereichen Digitalisierung und Governance hervor, darunter die Vereinheitlichung von Maßeinheiten zur Vermeidung von Problemen bei ACI-Anträgen. Außerdem wurden sämtliche Zoll- und Steuerrundschreiben auf einer einheitlichen elektronischen Plattform gebündelt, um Investoren den Zugang zu erleichtern. Abschließend kündigte der Minister bevorstehende gesetzliche Änderungen an, die eine Vorabfreigabe verpflichtend machen sollen. Zudem werde ein umfassendes Risikomanagementsystem mit vier Zollabfertigungswegen eingeführt, um die Abfertigungszeiten in den Häfen zu verkürzen und gleichzeitig internationale Standards einzuhalten, ohne den Handelsfluss zu behindern.
S.E. Generalleutnant Kamel El-Wazir, Minister für Verkehr, präsentierte die umfassende nationale Strategie zur Transformation Ägyptens in ein regionales Zentrum für Transport, Logistik und Transitverkehr. Diese Strategie folgt den Vorgaben der politischen Führung und soll die geografische Lage Ägyptens optimal nutzen. Der Minister erklärte, dass der Staat mehr als zwei Billionen ägyptische Pfund in die Modernisierung aller Verkehrssektoren investiert habe, darunter Straßen, Eisenbahnen und Häfen. Kernstück dieser Strategie ist die Planung von sieben integrierten Logistikkorridoren, die Produktionsgebiete durch schnelle Transportwege mit den Seehäfen verbinden. Diese Korridore basieren auf einem Netzwerk aus Trockenhäfen und Logistikzonen, wodurch die Zollabfertigung beschleunigt und Lieferketten erleichtert werden sollen.
Im Hinblick auf die regionale Konnektivität hob der Minister insbesondere den Arish-Taba-Korridor hervor, der Ägypten zu einem zentralen Bestandteil des Indien-Golf-Europa-Amerika-Korridors (IMEC) macht. Güter sollen über den Hafen Safaga per Schiene in die Golfstaaten transportiert werden. Zudem verwies der Minister auf den Erfolg der Ro-Ro-Verbindung zwischen Damietta und Triest, die eine schnelle Lieferung frischer Exporte nach Europa ermöglicht. Eine Ausweitung der Verbindung auf Griechenland, Frankreich und Spanien sei ebenfalls geplant. Darüber hinaus strebt die Regierung an, Ägypten zu einem regionalen Zentrum für Energietransport zu entwickeln, gestützt auf Pipelines sowie die Hochgeschwindigkeits-Eisenbahnnetze.
Bezüglich internationaler Partnerschaften lobte der Verkehrsminister die strategische Zusammenarbeit mit großen deutschen Unternehmen, insbesondere mit dem von Siemens geführten Konsortium, das derzeit das Hochgeschwindigkeits-Eisenbahnnetz realisiert. Die erste Strecke zwischen Ain Sokhna und Alexandria mit einer Länge von 660 Kilometern soll bis Ende dieses Jahres in Betrieb gehen. Der Minister betonte außerdem das klare Engagement des Staates zur Förderung des Privatsektors: Während die Infrastruktur durch staatliche Mittel aufgebaut wird, übernehmen spezialisierte internationale Unternehmen den Betrieb und das Management. Gegenwärtig verwalten fünf internationale Unternehmen die sechs größten Hafenstationen Ägyptens, darunter die deutschen Firmen Eurogate und Hapag-Lloyd.
Darüber hinaus beinhaltete die Konferenz eine ausführliche Fireside-Chat-Session mit dem Titel „EU-IFC“. Moderiert wurde die Diskussion von Frau Abir Leheta, Group Co-CEO von Egytrans NOSCO. Teilnehmer waren unter anderem Herr Nikolaos Zaimis, Handelsberater der Europäischen Union, sowie Herr Saad Sabrah, IFC Country Head für Ägypten. Im Mittelpunkt der Diskussion stand die strategische Rolle Ägyptens als globales Handelstor angesichts aktueller Krisen. Zaimis bezeichnete die Logistik als „DNA der Europäischen Union“ und als entscheidenden Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit von Staaten. Er betonte die Bedeutung von Resilienz statt ausschließlicher Orientierung an den günstigsten oder schnellsten Lösungen. Zudem erläuterte er die vier Grundpfeiler des Sektors: physische, digitale, personelle und rechtliche Infrastruktur. Insbesondere die rechtliche Infrastruktur sei der verbindende Rahmen des gesamten Systems.
Sabrah wiederum erklärte, dass die IFC Logistik sowohl als Wettbewerbs- als auch als Resilienzagenda betrachte. Er hob Ägyptens enorme Wettbewerbsvorteile hervor, die jedoch in konkrete logistische Leistungsfähigkeit umgewandelt werden müssten. Zudem erläuterte er den enormen Finanzierungsbedarf des Sektors, den der öffentliche Sektor allein nicht tragen könne. Daher sei die Mobilisierung privater Investitionen durch bankfähige Projekte und öffentlich-private Partnerschaften erforderlich. Gleichzeitig diskutierten die Teilnehmer die Bedeutung von Digitalisierung und Nachhaltigkeit im Verkehrssektor, insbesondere Maßnahmen zur Dekarbonisierung und die Rolle gemischter Finanzierungsmodelle zur Risikominimierung und Investitionsförderung.
Die Konferenz umfasste außerdem zwei Podiumsdiskussionen. Die erste stand unter dem Titel „Current Challenges of Logistics Sector“ und wurde von Herrn Marwan El Shazly, VP Marketing & Contracts bei Pan Marine, moderiert. Im Mittelpunkt standen Strategien zum Umgang mit globalen Lieferkettenstörungen und veränderten Schifffahrtsrouten infolge regionaler Spannungen.
S.E. Waleid Gamal El-Dein, Vorsitzender der SCZONE, erklärte, dass die Zone in den vergangenen drei Jahren und neun Monaten Investitionen in Höhe von 60 Milliarden US-Dollar angezogen habe. Er bezeichnete die aktuelle Krise als historische Chance für den ägyptischen maritimen und logistischen Dienstleistungssektor. Zudem verwies er auf die Lokalisierung von acht strategischen Industrien, darunter Aluminium, pharmazeutische Wirkstoffe, Lebensmittelindustrie und Batterien für Elektrofahrzeuge.
Herr Ahmed Amawy, Leiter der ägyptischen Zollbehörde, erläuterte die außergewöhnlichen Regierungsmaßnahmen zur Förderung des direkten Transitverkehrs in die Golfstaaten. Besonders hervorzuheben sei die Befreiung von der ACI-Pflicht, die als dringende Lösung für auf hoher See feststeckende Fracht eingeführt wurde. Zudem kündigte er die bevorstehende Aktivierung des TIR-Abkommens an, das den Transit ägyptischer Produkte in rund 80 Länder erleichtern werde.
Generalmajor Essam El-Naggar, Vorsitzender der GOEIC, erläuterte die Maßnahmen der Behörde zur Sicherstellung eines stabilen Warenflusses unter Einhaltung höchster Qualitätsstandards. Er hob insbesondere die Rolle zentraler Labore in den Häfen hervor, darunter ein neuer Komplex mit 39 Industrielaboren im Hafen Ain El Sokhna.
Die Konferenz endete mit einer zweiten Podiumsdiskussion unter dem Titel „New Era of Logistics Digitalization“. Dabei wurden insbesondere die digitale Zollplattform NAFEZA sowie intelligente Verkehrssysteme (ITS) thematisiert. Eng. Gamal Kotb, General Manager von Misr Technology Services (MTS), erklärte, dass die Plattform die durchschnittliche Zollabfertigungszeit von 29 Tagen im Jahr 2021 auf neun Tage reduziert habe.
Darüber hinaus betonte Herr Vjeran Ortynski von CargoX die fortschrittliche Position Ägyptens im Bereich digitaler Handelsdokumente. Herr Ossama Ibrahim, Country Manager von DHL Express Egypt, verwies hingegen auf die Notwendigkeit, Regulierung, Digitalisierung und praktische Umsetzung besser aufeinander abzustimmen.
Abschließend unterstrich die Konferenz die strategische Bedeutung Ägyptens als zukünftiges regionales Logistik- und Handelszentrum. Die Diskussionen verdeutlichten, dass der Nutzen der umfangreichen Infrastrukturinvestitionen künftig vor allem durch vertiefte öffentlich-private Partnerschaften sowie umfassende Digitalisierung maximiert werden kann. Dadurch soll Ägypten eine führende Rolle bei der Gestaltung zukünftiger globaler Logistikstandards einnehmen.
Zum Abschluss sprach die Deutsch-Arabische Industrie- und Handelskammer (AHK Ägypten) ihren besonderen Dank an alle Partner und Sponsoren aus, die maßgeblich zum Erfolg der Konferenz beigetragen haben. Zu den Platinum-Sponsoren gehörten CIB Egypt und Misr Technology Services, während die PAN MARINE GROUP als Gold-Sponsor teilnahm. Darüber hinaus unterstützten EgyMar Shipping & Logistics Services S.A.E. sowie Deraya Insurance Brokerage die Veranstaltung als Silver-Sponsoren. Diese starke Unterstützung spiegelt das Engagement führender Wirtschaftsakteure wider, die staatliche Vision zur Weiterentwicklung des Logistiksektors und zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der ägyptischen Wirtschaft aktiv zu fördern.